Dialoganalyse Nathan Der Weise Beispiel Essay

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Eine kurze Übersicht über das Geschehen in den einzelnen Szenen finden Sie unter https://norberto42.wordpress.com/2015/03/15/lessing-nathan-der-weise-inhalt-geschehen/.

Entwicklung des Geschehens
Das Drama ist ein analytisches Drama; die Identität der Figuren wird erst im Verlauf des Geschehens enthüllt. Unmittelbare Vorgeschichte, die in I enthüllt wird: Saladin hat den gefangenen Tempelherrn nicht hingerichtet, weil er ihn an seinen verstorbenen Bruder erinnert hat. / Der Tempelherr hat Recha aus dem brennenden Haus Nathans gerettet.
Im 1. Aufzug (Akt) steht der Wunsch Rechas und Nathans, dem Tempelherrn zu danken, dessen Wunsch gegenüber, mit Juden nichts zu tun zu haben. / Die Dienerin Daja vertritt nachdrücklich ein wundergläubiges Christentum, schätzt aber Recha und Nathan persönlich; sie deutet Gewissensprobleme an. / Der christliche Patriarch von Jerusalem will den Tempelherrn als Spion gewinnen (und damit auf ein militantes Christentum festlegen), was dieser aus Anstand ablehnt. – Als Randfiguren treten Al Hafi und der Klosterbruder auf.
In II treten Sittah und Saladin persönlich auf (Schachspieler, mit Geldproblemen), Nathan wird Saladin indirekt vorgestellt. / Es bahnen sich Freundschaften an: Nathan gewinnt den Tempelherrn als Freund, Saladin lässt Nathan zu sich rufen. / Es bleiben Unklarheiten bezüglich des Tempelherrn (sein Aussehen, seine Herkunft II 7) und der Pläne Nathans (II 8). / Al-Hafi entschwindet.
Im 3. Aufzug kommt es zu zwei wichtigen Begegnungen: Recha wird vom Tempelherrn besucht, der sich in sie verliebt. / Saladin will Nathan eine Falle stellen, um von ihm Geld zu bekommen, wird aber mit der Ringparabel intellektuell zurückgewiesen und zugleich moralisch vom Pathos religiösen Respekts und praktizierten Glaubens überwunden; sie werden Freunde und wollen auch den Tempelherrn einbeziehen. / Es kündigen sich neue Probleme an, als der Tempelherr bei seiner Werbung um Recha von Nathan vertröstet wird (Frage seiner Herkunft III 9) und danach von Recha informiert wird, dass Recha nicht Nathans Tochter und Christin ist (III 10).
In IV wird Nathan durch des Tempelherrn Eifersucht (und weiter bestehenden Judenhass) gefährdet (IV 2); die Gefahr wird jedoch durch seine Bedenken und durch Saladins feste Haltung gebannt (sowie durch die Information Nathans durch den Klosterbruder). Saladin und der Tempelherr werden Freunde. / Dessen Verbindung mit Recha wird von mehreren Seiten betrieben (IV 5, 7, 8). / In IV 7 werden weitere Einzelheiten der Vorgeschichte Nathans (und des Klosterbruders) sowie Rechas bekannt, wodurch die Familienverhältnisse sich zu klären beginnen (2674 f. Assads Abenteuer; 2144 f. Abenteuer von des Tempelherrn Vater, vgl. auch II 7 und 3099 f.). – Mit fortschreitender Klärung der Vorgeschichte lösen sich die Probleme des Tempelherrn.
In V bekommt Saladin endlich Geld; der Tempelherr kommt zur Besinnung; Nathan erhält Gewissheit über die Identität von Rechas Vater. Nach einigem Hin und Her über Rechas Zukunft (Bindung an…) erweisen sich die Vier als Familie, während Nathan, Vater „seiner“ Kinder bleibend (3812/14), zurücktritt, aber doch dazugehört.
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Nathan als Lehrer: Analyse I 2; II 5; III 5-7
In diesen drei Szenen erscheint Nathan als Lehrer. Sie sollen kurz analysiert werden.

Analyse I 2
Bei seiner Heimkehr hat Nathan erfahren, dass Recha aus seinem brennenden Haus von einem Tempelherrn gerettet worden ist, den Saladin begnadigt hatte (V. 84 ff.) und der jetzt verschwunden ist. Nathan bedenkt, was das wohl für seine Tochter bedeutet (V. 127 ff.), und vermutet, dass sie „schwärmt“ (V. 140), d.h. dass Kopf und Herz verwirrt sind und von Phantasie bestimmt werden, was Daja ihm bestätigt (V. 140 ff.). Nathan möchte dieses Problem in einem Gespräch klären (V. 155) und seine Tochter vom süßen Wahn zur süßeren Wahrheit führen (V. 161 ff.).
Das Gespräch zwischen Vater und Tochter, in dem Daja nur eine Nebenrolle spielt (I 2), besteht aus drei Abschnitten; zunehmend übernimmt Nathan die führende Rolle. Zunächst lässt er Recha schwärmend berichten und widerspricht nur vorsichtig, wobei er ihr zugesteht, dass Gott „Wunder“ wirkt (bis V. 213).
Mit der Frage „Wie?“ (V. 213) leitet er eine Diskussion der Begriffe „Wunder“ und „Unglaubliches“ ein und zeigt, wie gerade im normalen erlebten Geschehen das Unglaubliche geschehen ist. Dajas Einwand, man fühle sich Gott („der ersten unbegreiflichen Ursache seiner Rettung“, V. 291 f.) im religiösen Wunderglauben näher verbunden, weist er als Stolz, Unsinn und Gotteslästerung zurück (V. 293 ff.). [In dieser Diskussion um das Wunderbare klingt Lessings eigener Streit mit Pastor Goeze um die „Fragmente eines Ungenannten“ an, also um die Auszüge aus dem Werk von Prof. Reimarus, in dem dieser das Alte Testament einer historisch-literarischen Kritik unterzogen hatte. Der Herzog hatte Lessing verboten, weitere Fragmente zu veröffentlichen und den Streit mit Goeze fortzusetzen, worauf Lessing stellvertretend die Arbeit am „Nathan“ aufnahm.]
Mit der Aufforderung „Kommt! hört mir zu.“ (V. 301) geht Nathan einen Schritt weiter und übernimmt explizit die Rolle des Lehrers. Er weist den Frauen nach, wie egoistisch die Engelverehrung ist; nach dem Stichwort „Allein ein Mensch!“ (V. 317) entfaltet er im Wechselgespräch mit den Frauen eine Erklärung dafür, dass das Ausbleiben des „Engels“ ganz normale Gründe haben kann: dass also der Franke womöglich krank ist und der Hilfe bedürfte, was in Recha Schuldgefühle auslöst. Darauf beschwichtigt er sie, erklärt ihr seine pädagogische Absicht („Es ist Arznei…“, V. 355) und zieht das Fazit: Jetzt hat sie begriffen, „wieviel andächtig schwärmen leichter, als gut handeln ist“ (V. 360 f.). Als er Al-Hafi erblickt, ist der Übergang zur nächsten Szene geschaffen.
Was ist das Ergebnis dieses Gesprächs? Nathan hat den Frauen gezeigt, wie religiöse Schwärmerei schadet (V. 301), und hat zumindest Recha einen Schritt weiter auf den Weg vernünftiger Einsicht in die Welt geführt; darin hat er sich auch als ein Weiser erwiesen, der die Seele seiner Tochter ebenso wie die Logik religiösen Schwärmens kennt und ein menschliches Handeln im Sinn hat. Damit hat er Recha auf eine menschliche Begegnung mit dem Tempelherrn vorbereitet; jetzt muss er nur noch den Tempelherrn bewegen, in sein Haus zu kommen (vgl. V. 156 ff.), damit Recha ihm gebührend danken kann.

Analyse II 5
Nathans Absicht, den Tempelherrn aufzusuchen, ist bekannt (Analyse I 2); er hat auch schon Daja nach ihm losgeschickt (I 4 und 6) und von ihr erfahren, dass der Tempelherr zu keinem Juden gehen will (V. 528). Der Tempelherr hat im Gespräch mit dem Klosterbruder seinen Chrakter bewiesen (I 5) und Daja erneut erklärt, dass es mit Nathan nichts zu tun haben will (I 6). II 4 bereitet auf II 5 vor, indem Nathan gegen Recha andeutet, dass er es für möglich hält, dass Recha den Tempelherrn liebt (V. 1160 ff.), und indem Daja von jenem zurückkommt und seine Wanderwege kennt (V. 1173 ff.).

Ein Tempelherr ist Mitglied des Templerordens, eines der Ritterorden. Die Ritterorden, während der Kreuzzüge entstandene Vereinigungen christlicher Ritter, welche die Mönchsgelübde abgelegt hatten, sollten ursprünglich die Pilger in Palästina schützen sowie Kranke und Verwundete pflegen. Sie sahen als übergeordnete Ziele die Befreiung des Heiligen Landes von der Herrschaft der „Ungläubigen“ und den Kampf für die Ausbreitung des Christentums an. – Die Templer wurden 1119 in Jerusalem gegründet, hatten ihr Domizil auf dem Tempelberg in Jerusalem (daher der Name). Ihr Ordensgewand war weiß, mit einem roten Tatzenkreuz; der Orden wurde 1312 von Papst Klemens V. aufgehoben.

Nachdem Nathan monologisch seinen ersten Eindruck vom Tempelherrn formuliert hat (V. 1191 ff.), begrüßt er diesen und stellt sich vor, wird jedoch zurückgewiesen (bis V. 1220). Er unternimmt einen zweiten Anlauf und bietet jenem vergeblich Hilfe an und küsst stellvertretend den versengten Mantel (bis V. 1253), wodurch er sich über die Textilien dem jungen Mann annähert und ihn verwirrt. Er bittet jenen nun darum, den Mantel ins Haus zu Recha zu schicken und scheint sich in die Ablehnung des Ritters gefunden zu haben; erstmals spricht dieser ihn mit dem namen „Nathan“ statt als Jude an ((V. 1259). Nathan findet eine honorige „Erklärung“ für des Ritters abweisendes Verhalten in seiner Ritterlichkeit (V. 1262 ff.), womit er diesen offensichtlich berührt (vielleicht setzt er ihn so moralisch „unter Druck“?).
Damit ist ein Punkt erreicht, von dem aus die beiden miteinander sprechen: darüber, wie gute Menschen denken – Nathan unterstellt dies wieder seinem Partner und setzt die vorhin eingeschlagene Strategie fort und bestimmt den Tempelherrn dazu, ihm zuzustimmen -, wo sie zu finden sind und wie sie einander ihre Eigenheiten lassen müssen (bis V. 1286). Dieses Stichwort greift der Tempelherr auf, um den Juden ihre „Menschenmäkelei“ und den Anspruch auf den einzig wahren Gott vorzuwerfen (V. 1287 ff.) und so seinen „Antisemitismus“ zu erklären; er redet sich in Rage und will gehen (V. 1304), was Nathan jedoch verhindert, indem er auf das gemeinsame Menschliche verweist, das Christen und Juden verbindet (V. 1304 ff.); wegen der gleichen Hochschätzung des Verbindenden bietet er ihm die Freundschaft an, die der Tempelherr dankbar annimmt, indem er Nathans Worte wiederholt: „Wir müssen, müssen Freunde werden.“ (V. 1319, vgl. V. 1306).
Das Gespräch klingt mit einer Einladung in Nathans Haus aus; Nathans Blick erschließt sich „eine heitre Ferne“ (V. 1321), was man nach seinen Andeutungen gegenüber Recha (V. 1160 ff.) wohl so verstehen muss, dass er eine Verbindung der beiden in Liebe für möglich hält. Der Tempelherr seinerseits bezeugt seine Verbundenheit mit der Familie, indem er besorgt von „unserer“ Recha (V. 1325 f.) spricht.
Damit ist auch schon das Stichwort genannt, welches in den kommenden Szenen für Verwirrung sorgen wird, woran Nathan nicht unschuldig ist. Anderseits ist ein erster Freundschaftspakt geschlossen, dem weitere folgen (III 7 und IV 4); diese Freundschaften erwachsen also aus Nathans Weisheit, müssen dann aber auch die Belastungen ertragen, die sich, bedingt durch Nathans Unaufrichtigkeit (bereits V. 1381 f.) und des Tempelherrn jugendliche Heftigkeit (III 9), ergeben. Dass Dajas (III 10) bzw. des Patriarchen (IV 2) religiöser Fanatismus dazu beitragen, die Lage zu verwirren und Nathan in Gefahr zu bringen, versteht sich fast von selbst; und dass die Rettung aus der verstandenen Wahrheit einer guten Tat (IV 7) und der Besonnenheit des Freundes Saladin (IV 4) kommt, ergibt eine utopische Lösung der Konflikte.

Analyse III 5 f. – Skzizze
Situation: II 3, III 4 Geldnot Saladins und Plan Sittahs, Nathan eine Falle zu stellen (etwas abgeschwächt in V. 1751 ff.); Nathan wird zu Saladin gerufen (II 6) und ist wegen der Rettung Rechas durch dem Tempelherrn nun Saladin verpflichtet (II 7). Als Al-Hafi ihn über des Sultans Pläne informiert (II 9), ist er bereit, für die Schulden Saladins aufzukommen (V. 1514).
Aufbau III 5: drei Teile (V. 1797 ff.; V. 1820 ff.; V. 1837 ff.)
Saladin tritt sehr bestimmt, als der Herrscher auf (1797 f.), Nathan hält sich zurück; S. will Nathan darauf festlegen, dass er „weise“ ist (bis V. 1817, erneut V. 1838 f. zur Rechtfertigung der ungewöhnlichen Frage nach der wahren Religion) – Nathan wehrt dies bescheiden (vorsichtig?) mehrfach („das Volk“; Unterscheidung weise-klug) ab.
Saladin ist dieses Geplänkels, das unentschieden endet, überdrüsssig, springt auf (!) und kündigt ein neues Thema an: „Laß uns zur Sache kommen!“ (V. 1820); zugleich fordert er (abwertende Bezeichnung „Jud“ statt des Namens) Nathan zweimal auf, aufrichtig zu sein.
Nathan empfindet dies wohl als mögliche Gefahr und bietet Saladin Waren und militärische Informationen (V. 1821 ff.) an – das sind „Dinge“, bei deren Lieferung man aufrichtig sein kann; N. erwartet aber, dass S. Geld wünscht (V. 1866 f.), schiebt also andere mögliche Wünsche an den reisenden Kaufmann N. vor. Saladin lehnt beide Angebote kurz als unerwünscht ab und kündigt seinen Wunsch („Kurz“) an. Nathan antwortet untertänig: „Gebiete, Sultan!“ (V. 1836, vgl. V. 1350/52).
Nach der Einleitung (V. 1837 f.) fragt S. mit Bezug auf Nathans Weisheit, welche Religion (Gesetz, V. 1840: Judentum) ihm „am meisten [als richtig, vernünftig, N.T.] eingeleuchtet“ (V. 1841). Nathan weicht der Frage aus und sagt, welcher Religion er angehört – was Saladin natürlich bereits weiß (V. 1797). Saladin setzt nach, nennt noch den Islam und das Christentum und behauptet, dass nur eine dieser Religionen „die wahre“ (V. 1845) sein kann. Er unterstellt Nathan als dem Weisen, dass er „aus Einsicht, Gründen, Wahl“ (V. 1848) Jude sein müsse, und bittet darum (mit höflichen Floskeln, V. 1850 ff.), ihn diese Gründe hören zu lassen. Nathan ist erstaunt, stutzt, wägt ab (V. 1854 f.), worauf Saladin sich rechtfertigt (V. 1855 ff.) und ihm eine kurze Bedenkzeit gewährt (V. 1860 ff.).
Saladin hat das Gespräch bestimmt: durch seinen Tonfall, durch die Themenwahl, und Nathans Ausweichen (V. 1821 ff.) deutlich gestoppt; zum Schluss spricht er fast allein, da Nathan zögert. Er scheint an sein Ziel zu kommen.
Aufbau III 6: Im Monolog reflektiert Nathan, was der Sultan will, da er unverhohlen nach der Wahrheit fragt – ein Frage, worauf man eine Antwort nicht bloß einfach hinnehmen kann, wie man Geld einsteckt (zumindest abwägen müsste man, V. 1870). Dann prüft er, ob Saladin ihm wohl eine Falle stellt (V. 1876 ff.), was er wegen des Sultans Ungestüm bejaht. Er legt eine Taktik zurecht (V. 1863 ff.) und hat dann die Idee, ihm ein „Märchen“, eine Geschichte zu erzählen und ihn so abzuspeisen (V. 1889 f.): Er hat die Idee zur Ringparabel bekommen (III 7), dem Kern des Dramas. Nathan erweist sich hier (III 6) als dem Sultan überlegen, er durchschaut ihn.
* Saladin ist Sultan, er nimmt kaum auf Nathans Erwartungen Rücksicht (V. 1860 ff.).

Analyse III 7 (Ringparabel)

Das Vorfeld der Ringparabel ist bereits oben beschrieben worden. Wir können hier also sofort untersuchen, wie Nathan in Gefahr (oder in unbekanntem Gelände) als Lehrer agiert.
Nathan tritt selbstbewusst auf (V. 1891 ff.), nachdem er in III 5 sich zurückgehalten hat (ab V. 1799); er hat die Besinnungspause genutzt, seine Situation vor Saladin zu durchdenken (III 6), und sich für ein behutsames Vorgehen entschieden (V. 1883 f.). Das scheinbar forsche Auftreten gehört also zur Stategie der Behutsamkeit, wie man gleich an seiner Bitte bemerkt, vorab „ein Geschichtchen“ (V. 1905, Diminutiv) erzählen zu dürfen. Er weicht also der theoretischen Stellungnahme aus in eine erdachte Beispielgeschichte, in der die Entscheidungsfrage rein herausgearbeitet werden kann – rein, das heißt: ohne soziale Konsequenzen für den Sprecher.
Nathan erzählt also, kaum unterbrochen, den ersten Teil der Ringparabel (V. 1911 ff.), wodurch er beim Sultan Betroffenheit hervorruft (nach V. 1955 Regieanweisung); warum der Sultan betroffen ist, wird nicht gesagt. Nathan zieht selbst das Fazit: Der rechte (richtige) Ring ist im erzählten Geschehen nicht erkennbar: „Fast so unerweislich, als uns itzt – der rechte Glaube“ (V. 1963 f.). Er springt damit in die Realität zurück, bezieht den Sultan mit in die Entscheidung ein („uns“) und weicht ihr so wie auch mit der Pointe der Erzählung aus; er behauptet (und hat erzählerisch „erklärt“), wieso die vom Sultan eingeforderte Entscheidung nicht getroffen werden kann, noch weniger als in der Ringfrage getroffen werden kann.
Der Sultan protestiert, Nathan zieht sich vorsichtig auf „ich“ (V. 1966) zurück, zieht sich in die Dimension des fiktiven Ringes zurück (V. 1965 ff.) und erlässt damit dem Sultan (zunächst) die Zustimmung. Dieser nutzt den Freiraum zum Widerspruch: Die Religionen seien klar unterscheidbar (V. 1970 ff.); zugleich verwarnt er Nathan: „Spiele nicht mit mir!“ Darauf muss Nathan mehr Farbe bekennen, also theoretisch argumentieren; indem er begrifflich unterscheidet: nach Kleidung, Speis und Trank / nach den Gründen bei den Religionen Unterschiede ausmachen, und indem er diese Unterscheidung erläutert (auf Treu und Glauben den Seinen folgen, V. 1977 ff.), erklärt er in einer kleinen fundamentaltheologischen Vorlesung seine Position. Mit dieser Argumentation kommt er aber nur durch, weil Saladin wahrhaft menschlich denkt; Nathan setzt nämlich das Vertrauen in die Vorfahren bei beiden gleich (ich – meine; du – deine: „Oder umgekehrt“, V. 1986). Indem er die Gleichwertigkeit des eigenen und des anderen Vertrauens behauptet und indem der Sultan diese anerkennt, Nathan also als einen Gleichen, d.h. als einen Mit-Menschen anerkennt (V. 1991 f.), ist das Problem theoretisch aufgelöst.
Es folgt der zweite Teil der Ringparabel, die Nathan zur Freude des Sultans weiterspinnt; dieser kann sich dem Zauber der Poesie überlassen, weil er Abstand von der verbissenen Rechthaberei besitzt und seine Geldwünsche hinter das Denken zurückstellt. Nathan erzählt also die Geschichte von „unseren“ (V. 1992 ff.) Ringen zu Ende, worauf der Sultan äußerst betroffen reagiert: „Gott! Gott!“ (V. 2054) Nathan wendet dann sogleich die Pointe der Erzählung an und nimmt den Sultan als Denker und als Menschen in die Pflicht: „Wenn du dich fühlest…“ (V. 2055 f.); diese Aktion entspricht spiegelbildlich seiner Weigerung („ich“, V. 1966), die Entscheidung über die alleinige Rechtgläubigkeit zu treffen. Der Sultan beendet die Diskussion mit der Bitte um Nathans Freundschaft (V. 2060, bis in die Wortwahl eine Spiegelung von V. 1305 f.). [Damit ist dann auf der Ebene des Zeitgenössischen der Hamburger Pastor Goeze in die Schranken gewiesen: Wenn man die Gründe des Glaubens untersucht und dabei menschlich vorgeht, kann man keiner Religion einen Vorrang vor einer anderen zuerkennen; wo Treu und Glauben am Anfang stehen, gibt es keine Beweise.]
Das Gespräch klingt mit Nathans Angebot, dem Sultan als seinem Freund Geld zu leihen (V. 2061 ff.), was er dem bloßen Herrscher nie gewährt hätte (er kennt ja von Al-Hafi die Situation des Sultans), und seinem Hinweis auf den Tempelherrn aus; dass der Sultan bemerkt, er habe den jungen Mann ganz vergessen (V. 2091 f.), ist sachlich völlig unglaubwürdig und nur dramaturgisch zu erklären: Nathan bekommt so Gelegenheit, den Tempelherrn in den Kreis der Freundschaft einzubeziehen, was der Sultan (in IV 4) vollendet.
Auf der Grundlage dieser Freundschaft von Nathan und Saladin wird der Ansturm der religiösen Fanatiker (Daja, der Patriarch) abgeschmettert und auch der jugendlich-heftige Curd in seine Schranken gewiesen, bis schließlich die Wahrheit triumphiert (V 8).

Fazit: Wenn man kurz überlegt, wie Nathan als Lehrer agiert, wird man bedenken müssen, in welchem Verhältnis er zu den drei Belehrten steht und in welcher Situation er handeln muss.
Recha kennt er gut; indem er den Weg zu ihrem Herzen sucht, bringt er auch ihren Verstand wieder in Ordnung und kann das Schwärmen (wo Kopf und Herz ihre Rollen tauschen, verführt von der Phantasie, s.o.) abstellen: gerade indem er mittels der Phantasie einen möglicherweise hilfsbedürftigen Tempelherrn heraufbeschwört.
Den Tempelherrn gewinnt er, indem er ihn beschämt (den Mantel küsst), an dessen gute Motive glaubt (sie zumindest unterstellt) und mit einer begrifflichen Unterscheidung den Menschen über den Christen oder Juden, also das Menschsein über das Christ- und Judesein stellt; in dieser Schätzung des Menschen sind sich die beiden einig, das ist die Basis ihrer neuen Freundschaft. Dass er so zu Recht denken darf, hat ihm der Tempelherr vorab durch die selbstlose Rettung der fremden Recha bewiesen.
Wie er Saladin gewinnt, ist gerade untersucht worden: Er muss aus der sozialen Situation des Untertans in eine fiktive Situation reiner Entscheidung ausweichen; kann dann theoretisch argumentieren, indem er den menschlichen Grund des Glaubens offenlegt und die Allgemeinheit dieses Grundes postuliert – wobei der Sultan ihm aus seiner Menschlichkeit zustimmt; indem er also den Sultan als klug urteilenden guten Menschen in die Pflicht nimmt. Der Lohn des Lehrens sind Einsicht und Freundschaft.

Lessing: „Ernst und Falk. Gespräche für Freimäurer“
als Kommentar zu „Nathan der Weise“
Ich betone, dass ich weder den ganzen Dialog der beiden noch die politische Bedeutung des Textes würdigen möchte, sondern ihn selektiv lese: zum besseren Verständnis der Aktionen Nathans, des Weisen. Ich beschränke mich auf die Teile II und III des Dialogs (Lessings Werke in acht Bänden, Bd. VIII, S. 451 ff., Kommentar S. 693 ff.). Ich referiere Gedanken des Freimaurers Falk thesenartig:
1. „Die Staaten vereinigen die Menschen, damit durch diese und in dieser Vereinigeng jeder einzelne Mensch seinen Teil von Glückseligkeit desto besser und sichrer genießen könne.“ Die Statten sind um der Menschen willen da. (459)
2. Die bürgerliche Gesellschaft kann die Menschen nicht vereinigen, ohne sie erneut zu trennen: nach Nationen, nach Religionen und Ständen (463 f.). Wenn also ein Franzose einem Engländer (oder ein Christ einem Juden) begegnet, so begegnet „nicht mehr ein bloßer Mensch einem bloßen Menschen, die vermöge ihrer gleichen Natur gegen einander angezogen werden, sondern ein solcher Mensch begegnet einem solchen Menschen, die ihrer verschiednen Tendenz sich bewußt sind, welches sie gegen einander kalt, zurückhaltend, misstrauisch macht“ (462).
Das liegt daran, dass menschliche Mittel notwendig fehlbar sind, also nie ohne Nebenwirkungen ihrem Ziel dienen (460).
3. Man muss deshalb (als echter Freimaurer, ob man nun so heißt oder nicht) die Trennungen nicht zu groß werden lassen und gegen Vorurteile angehen (464 f.).
4. Man muss also nicht den Übeln eines Staates entgegenarbeiten – das kann man als Bürger tun -, sondern den Übeln des Staates (467 f.); dies kann man, indem man die Trennungen, welche die Staaten notwendig hervorbringen, in sich und durch sich wieder vereinigt (469).
5. Das Grundgesetz der Freimaurer ist es also, „jeden würdigen Mann von gehöriger Anlage, ohne Unterschied des Vaterlandes, ohne Unterschied der Religion, ohne Unterschied seines bürgerlichen Standes, in ihren Orden aufzunehmen“ (470).

Dass durch Konstitution eines solchen „Ordens“ wieder eine neue Trennung hervorgerufen wird, sieht Falk wohl; dem sucht er sich mit der Unterscheidung von Lehre und Geheimnis bzw. zwischen Loge (Organisation) und Freimaurerei (geistige Haltung), die der von Kirche und Glauben entspreche, zu entziehen (478, Teil IV).
Ich denke, dass man vor diesem Hintergrund Nathans Werben um den Tempelherrn (II 5) mit mehr Verständnis liest – zumal wenn sieht, dass Lessing die Freimaurerei historisch mit dem Orden der Tempelherren verbindet (475 ff.).
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Analyse III 2

Ausgangssituation: Elementar ist hier die Szene II 5.
– Recha möchte dem Tempelherrn danken (II 5), erwartet ihn ungeduldig (II 4 und III 1);
– dieser will zunächst nicht zu Juden gehen (I 3), hat jedoch Nathans Freundschaft und Einladung angenommen (II 5 und II 7) und möchte Recha kennenlernen.
* Man könnte auch noch Daja erwähnen, welche die beiden aus egoistischen Gründen verkuppeln möchte (III 1), doch spielt sie hier eine untergeordnete Rolle.
Phasen des Gesprächs:
– Eröffnung: kleine Irritation (V. 1603 f.);
– Recha beschämt den Tempelherrn wegen seiner Weigerung, Dank anzunehmen, durch Ironie (bis 1634);
– der Tempelherr steht und zeigt sich im Banne Rechas (bis V. 1677);
– er findet einen Vorwand und entfernt sich, um der „Gefahr“ der Liebe zu entgehen.
Übersicht über das Geschehen bei Rechas Begegnung mit Curd:
– Eröffnung (s.o.);
– Rechas ironische Rede, sie beschämt den Tempelherrn, macht ihm einen Vorwurf;
– dieser verteidigt bzw. entschuldigt sich (mit „Vorwurf“ an Daja),
er wird von Daja getröstet und von Recha verspottet (bis V. 1634);
– er macht Recha ein Kompliment, wie schön sie ist (V. 1634 ff.)
– und steht ganz im Bann der Frau (Regieanweisung hinter V. 1640 und 1641);
– Recha fragt, wo er gewesen ist, um ein Gespräch zu beginnen (über Sinai);
– wechselseitige Ab- und Zuwendung wegen des Th.‘ Verliebtheit (V. 1660 ff.);
– Th. fragt unsicher nach Rechas Liebe (V. 1669 ff.);
– allgemeiner Rekurs auf Nathan aus verschiedenen Gründen (V. 1672 ff.);
– unter dem Vorwand, mit Nathan verabredet zu sein, entfernt der Th. sich
– und weist noch auf die Gefahr hin, die allen (vor allem ihm, wegen der Liebe) droht.
Was man bemerken sollte, ist der ironische Ton in Rechas Danksagung; sind die vielfältigen Zeichen der Verwirrung beim Tempelherrn (fassungslos vor Liebe); ist die relative Ruhe Rechas; sind die Tatsachen, dass der Th. zum Schluss einen Vorwand sucht, um gehen zu können, und dass die Hauptgefahr ihm selber von Recha droht.
Ergebnis des Gesprächs:
Recha ist erfreut, aber ruhig (III 3, vgl. III 1); sie bleibt am Th. interessiert, ohne verliebt zu sein, was Daja ihr jedoch einreden will; der Tempelherr hat sich dagegen in Recha verliebt, muss seinen Zustand reflektieren (im Monolog III 8) und wird um Rechas Hand bei Nathan anhalten (III 9), was zu Verwirrungen (IV 2) und zur endgültigen Klärung (V) führt.

(Hinweis für Kollegen: Analyse III 2 oder III 9 eignet sich als Klausurthema; doch sollte die jeweils dafür nicht gewählte Szene im Unterricht besprochen worden sein.)

Verwirrungen (III 9; IV 1; IV 2)
Nachdem Nathan auch mit dem Sultan Freundschaft geschlossen hat, könnte das Geschehen des Dramas zu Ende gehen, wenn nicht neue Verwirrungen aufträten; sie haben sich angekündigt, als der Tempelherr seinem neuen Freund irgendwie bekannt vorkommt (V. 1198), ja, an seinen Freund Wolf erinnert (V. 1373 ff.), was der aber nicht offen zugibt. Nachdem der Tempelherr sich in Recha verliebt hat (III 2) und auch mit seinem Gewissen ins Reine gekommen ist (III 8), wartet er nun auf Nathan, um diesen um Rechas Hand zu bitten (III 9); dieser ist vom Sultan begeistert, aber zudem von einer Sorge umgetrieben, die er niemandem offenbart (V. 2905 ff.).
Nathan ist überrascht, Curd zu treffen (V. 2159), welcher ihn vorwurfsvoll auf die Länge seines Besuchs hinweist; Nathan ist noch beeindruckt von Saladins Größe, lädt den Tempelherrn zum Sultan ein und will vorab noch schnell ins eigene Haus, den Geldtransport zu Saladin organisieren (s. Anfang IV 3); das nutzt Curd, um zu seiner Bitte anzusetzen, wobei er von Nathan unterbrochen wird mit der thematischen Frage: „wie gefällt euch Recha?“ (V. 2172).
Der Tempelherr greift dieses Thema dankbar auf und bringt stammelnd und noch etwas verklausuliert sein Anliegen vor (V. 2172 ff.), sodass Nathan noch einmal nachfragt, wie das zu verstehen ist (V. 2177 f.). Mit einer Umarmung und dem Ausruf „Mein Vater!“ (V. 2178) schafft Curd Klarheit, wird aber von Nathan zurückgewiesen: „Junger Mann!“ Seinen stürmischen Nachfragen kommt Nathan schrittweise entgegen (bis zur Anrede „Lieber, lieber Freund!“, V. 2184); Curd vermutet, dass Nathan ihn wegen seines Christentums ablehne; er fleht und argumentiert mit dem Vorrang der Menschlichkeit, genau wie Nathan bei ihrem ersten Gespräch (V. 2180 ff., vgl. 1310 f.). Als Nathan immer noch, wenn auch freundschaftlich zögert, bringt er als Argument die wechselseitige Liebe vor, nachdem er zuvor daran erinnert hat, dass Nathans (?) „Erkenntlichkeit“ (V. 2185/87 – die Äußerung ist nicht ganz klar) den Weg zum Herzen Rechas geebnet habe. Nathan flüchtet sich in eine Ausrede, weil er den Grund seines Zögerns nicht offenbaren will (s.o.): „Ihr überrascht mich…“ (V. 2190). Der Tempelherr kann diesen Einwand leicht und sarkastisch widerlegen (V. 2191 ff.).
Indem Nathan zur Begründung seines Zögerns die Frage nach der Herkunft von Curds Vater stellt, übernimmt er stärker die Führung des Gesprächs. In einem kurzen Wechselgespräch über die Möglichkeit, dass ein Tempelherr Curds Vater sein kann, wird dieser immer mehr enttäuscht, weil er den Sinn dieser „Ahnenprobe“ nicht begreift und sie als taktlose oder überflüssige „Neubegier“ (V. 2198, vgl. 1386!) verstehen muss – als ob er ohne großen Stammbaum der Hand Rechas nicht würdig wäre. Nathan bemerkt seine Verbitterung (V. 2118) und redet sich verlegen damit heraus, dass er den Tempelherrn nicht auf sein Wort festlegen wolle, ihm aber grundsätzlich nichts verweigert habe. Der Tempelherr glaubt ihm das nicht und bittet ironisch um Vergebung. Nathan drängt zum Aufbruch, will ihn mitnehmen – er ist der Situation nicht gewachsen, weil er nicht den Überblick besitzt, dies aber auch nicht offen zugeben kann. Der Tempelherr lehnt erregt ab, mit Nathan zu Recha zu gehen.
So ist er , enttäuscht, bereit, Dajas Einflüsterungen anzuhören (III 10), um danach direkt beim Patriarchen die Sache in seinem Sinn zu entscheiden: Recha kriegen!

In IV 1 erscheint zunächst der Klosterbruder; in einem Monolog rechtfertigt er sich, dass er im Sinn des Patriarchen „erfolglos“ arbeitet, und begründet vorab damit auch, dass er den Tempelherrn in desen Gewissensnot allein lässt. Was Weltabgeschiedenheit positiv leistet: sich aus allem heraushalten, ist zugleich ihre Schwäche – bemerkt der Leser; denn indem der Mönch den Tempelherrn nicht erhört, schickt er ihn zum blutgierigen Patriarchen, was trotz der frommen Begründung („mich einer Sorge nur gelobt“, V. 2451) heuchlerisch oder egoistisch klingt.
Der Tempelherr kommt auf ihn zu; seine Rückfrage veranlasst den Klosterbruder, sich an ihr erstes Gespräch zu erinnern (I 5) und zu seinem Bedauern festzustellen, dass er im Sinn des Patriarchen nun doch wohl Erfolg gehabt habe (V. 2391 ff.). Das bringt den Tempelherrn erstmals dazu, kurz innezuhalten und zu bedenken, „warum ich komme“ (2404). Der Mönch antizipiert die negativste Möglichkeit, den Erfolg seines ersten Auftrags: Erstarken des Freund-Feind-Denkens, Verrat an Saladin im Dienst der Christenheit (V. 2405 ff.); er beklagt es mit dem Seufzer „Ach Gott!“ Der Tempelherr beruhigt ihn, bekräftigt seinen bisherigen Standpunkt in dieser Frage und deutet an, er wolle den Patriarchen um Rat fragen (V. 2413 ff.).
Darauf wird der Mönch aktiv und trägt aus seiner Sicht des Verhältnisses von Adel und Klerus seine Bedenken gegen dieses Unterfangen vor (V. 2422 ff.), wobei Curd zu seiner Rechtfertigung zugibt, dass die Sache „ziemlich pfäffisch“ (V. 2414) ist. Curd denkt dann laut nach und verteidigt voller Trotz (und intellektuell schwach) sein Vorhaben: gewisse Dinge lieber schlecht nach andrer Willen als selber gut zu machen; das kann er als denkender Mensch nicht durchhalten. Seine Verbitterung bricht hervor, weil er Nathans Weigerung als Ausdruck eines religiösen Vorurteils versteht, woraus er für sich die Erlaubnis ableitet, ebenfalls religions-parteiisch zu handeln: „Weil das einmal nun so ist: Wird‘s so wohl recht sein.“ (V. 2438 f.). Damit widerspricht er seiner elementaren Einsicht, die er sowohl vor Nathan (V. 1291 ff.) wie im Monolog (III 8) geäußert hat – so weit treibt ihn die unverständliche Enttäuschung seines Begehrens. Er ist dabei, nicht nur Nathan, sondern sich selbst zu verraten.
Das kann der Klosterbruder nicht verstehen (V. 2439 f.). „Und doch!-“ (V. 2440), Curd kommt zur Besinnung, ohne dass dafür ein Grund erkennbar wäre; er muss also wohl bemerkt haben, wie un-vernünftig er argumentiert hat. Das Gespräch mit dem Klosterbruder, ohne dass dieser ihn ganz verstände, offenbart ihm selber, welcher Qualität seine Motive sind. Er fragt sich danach, worum ihm „eigentlich“ zu tun ist; in den Unterscheidungen Machtspruch/Rat und gelehrter/lauterer Rat bahnt er sich und seinem Begehren einen Weg zum vernünftigen Handeln. Er dankt dem Klosterbruder für dessen unfreiwillig bei der eigenen Klärung geleistete Hilfe und bittet ihn sogleich: „Seid Ihr mein Patriarch!“ (V. 2445), wobei er in einer weiteren Unterscheidung das Amt des Patriarchen unter den „Christen“ stellt, als welcher ihm der Mönch erscheint.
Als er ansetzen will, jenem seine Frage vorzutragen, entzieht dieser sich – objektiv möglicherweise zu Recht, subjektiv jedoch in seine Weltabgewandtheit flüchtend, sich einer Aufgabe entziehend (V. 2448 ff.), und verweist ihn an den Patriarchen, der „zu meinem Glück“ (eben, V. 2452) gerade erscheint, als man ihn braucht.

In IV 2 ist der erste Eindruck des dicken Patriarchen negativ. In einem Vorgeplänkel fordert dieser vorab, und nicht ohne die Stimme der Vernunft unter die Worte des göttlichen Engels, also unter seine eigenen zu stellen, Gehorsam (V. 2461 ff.).
Nach dieser deutlichen Vernunft-Polemik, die Lessing seinem Kampf gegen Goeze schuldig ist, trägt der Tempelherr den „Fall Nathan“ vor: Erziehung eines Kindes in der falschen bzw. ohne Religion [und greift damit auf IV 7 und das richtige Urteil des frommen Klosterbruders vor], ohne Namen zu nennen. Als er hört, dass solches Vergehen mit dem Tod bestraft wird, bringt er Einwände vor, ohne den Patriarchen umstimmen zu können – „die stolze menschliche Vernunft“ (V. 2517) könne eben in solche Fragen nicht richtig urteilen [erneut lässt Goeze grüßen]; eine Erziehung aus Prinzipien der Vernunft sei das Schlimmste überhaupt (V. 2554 ff.).
Als der Tempelherr das Gespräch abbrechen will, weil er nun hinreichend Bescheid weiß, dass der Patriarch kein Ratgeber eines vernünftigen Menschen sein kann, droht dieser ihm, den Fall vor Saladin zu bringen und dessen Macht im Kampf gegen den ungenannten Juden einzusetzen. Darauf kann der Tempelherr souverän kontern, dass er im Begriff ist, einer Einladung Saladins zu folgen (V. 2583 ff.) und diesen entsprechend „vorzubereiten“, worauf der Patriarch einen Rückzieher macht (V. 2589 ff.), nicht ohne anzudeuten, dass er seinen Spion Bonafides (ein sprechender Name: guter Glaube) in diesem Fall einzusetzen gedenkt.

Im Gespräch mit Saladin gesteht der Tempelherr später ein, dass er beim Patriarchen war, und muss sich vom Sultan heftig zurechtweisen lassen, als er immer noch von seinem blinden Begehren getrieben wird (IV 4); in einem Monolog besinnt er sich dann, dass seine Leidenschaft ihn auf schlimme Wege geführt hat (V 3). Im Gespräch mit Nathan muss er sich rechtfertigen (V 5); dort zeigt sich, dass er noch immer nicht seinem Freund Nathan vertraut bzw. seine Leidenschaft überwunden hat – eine Folge auch dessen, dass Nathan nicht offen mit ihm gesprochen hat (vgl. auch V. 2912 ff.). Erst die Wahrheit kann ihn schließlich umstimmen (V 8) und alle Verwirrungen auflösen, wobei Nathan nur der Bote, nicht der Denker der historischen Wahrheit ist.

Analyse IV 4 – Aufbau der Szene
(An dieser Szene soll noch einmal demonstriert werden, was es heißt, den Aufbau einer Szene zu verstehen. Es geht also darum zu verstehen, was bei der ersten Begegnung Saladins mit dem Tempelherrn geschieht.)
Saladin ist durch den neuen Freund Nathan an den Th. erinnert worden (eher dramaturgisch sinnvoll als psychologisch plausibel) undhat jenen gebeten, diesen doch mitzzubringen (III 7); im Gespräch mit Sittah erzählt er von seinem vermissten Bruder Assad und kann auch das von Sittah gefundene Bild bestaunen (IV 3). Der Th. ist also von seinem Freund Nathan (II 5) zum Sultan eingeladen worden (III 9) und wegen der Verärgerung über Nathan (III 9) schon allein losgegangen.
Den ersten Teil des Gesprächs dominiert Saladin (bis V. 2695); er bietet dem jungen Th. seine Freundschaft an, der Pakt wird besiegelt.
Im zweiten Teil geht es hin und her: um Nathan und des Th. Ärger, wobei Saladin den Grund der Verärgerung nicht kennt und deshalb nur allgemein gehaltene gute Ratschläge geben kann (etwa bis V. 2720). Mit seinen Bitten um Erklärung von Nathans Vergehen (V. 2717 – 2723) leitet der Sultan zur dritten Phase des Gesprächs über.
Nun erzählt der Tempelherr seine Sicht des Geschehens: Wie Nathan ihn zwar eingeladen, aber dann die vom Th. gerettete Tochter verweigert habe. Saladin stellt immer nur kurze Fragen oder versucht den Th. zu beschwichtigen (etwa bis V. 2777).
Als der Tempelherr sich daran macht, Drohungen gegen Nathan auszusprechen (V. 2778 ff.), wird Saladin ernst und ruft den Th. energisch zur Ordnung – um ihn dann zu ermahnen, seine Religion nicht zur Parteisache zu machen. Als dieser einlenkt, erkennt Saladin seine Aufgabe, dem Th. zu seiner Frau zu verhelfen und seine beiden Freunde miteinander zu versöhnen (bis V. 2821). Saladin hat also diesen Teil bestimmt, auch von seinem Anteil am Gespräch her.
Ergebnis desGesprächs: Saladin ist um einen Freund reicher und muss in dem Konflikt vermitteln; der Th. ist durch das Freundschaftsangebot des Sultans seelisch gefestigt, in seinem Zorn zu Räson gebracht und in der Hoffnung auf Recha bestärkt worden.

Zur Strategie des Schreibens: Solche Überblicke sollte man zu Beginn der Analyse anlegen; dann hat man erstens die Übersicht und zweitens ist es nicht ganz schlimm, wenn man zeitlich nicht fertig wird: Man kan ja sein Verständnis gezeigt. Außerdem bekommt der Leser einen Überblick über das, was ihn erwartet.

Eine Bemerkung zu Lessing: Nathan der Weise, V. 3331/33
„Vor dir, der du allein den Menschen nicht
Nach seinen Taten brauchst zu richten, die
So selten seine Taten sind, o Gott! -“
Zwei Sätze sind hier miteinander verbunden, als Nathan seine nun auch vor den Menschen gewonnene Freiheit preist. Der erste besagt, dass Gott den Menschen nicht nach seinen Taten zu richten braucht; dahinter steht die biblische Überzeugung, dass das Herz den Kern des Menschen ausmacht und dass den Taten nicht immer anzusehen ist, aus welcher Herzensregung sie hervorgehen. Nur auf die Tat oder auf deren Erfolg zu schauen wird dem Menschen (und seinem Herzen) nicht gerecht (etwa das Opfer der Witwe, Luk 21,1-4).
Im zweiten Satz sagt Nathan (zur Begründung des ersten, dass das Urteil der Menschen, die nur die Taten sehen, nicht gerecht ist), dass die Taten des Menschen so selten seine Taten sind. Damit wird ein Thema berührt, das im Drama eine Rolle spielt: „Kein Mensch muss müssen…“ (V. 385), sagt der Derwisch; der Tempelherr sieht dagegen im Monolog ein, „dass / ein einz‘ger Funken dieser Leidenschaft / doch unsers Hirns so viel verbrennen kann“ (V. 3281 ff.).
Zu diesem zweiten Satz möchte ich auf einen Aufsatz Manès Sperbers hinweisen: Der Mensch und seine Taten (in: Leben in dieser Zeit. Sieben fragen zur Gewalt, 1972, S. 125 ff., hier S. 127/29 das Beispiel von dem Ehepaar, das im Widerstand gegen die Nazis Flugblätter verteilt und so das Leben riskiert hat, aber sich im Gefängnis Sorgen um die Ratenzahlungen für neue Möbel macht – das eine passt einfach nicht zum anderen).

Bemerkungen zu V 5
Nathan hat vom Klosterbruder die Wahrheit über die Herkunft Rechas (und des Tempelherrn) erfahren (IV 7) und ist auch von jenem informiert worden, dass ein Tempelherr ihn beim Patriarchen denunziert hat (V 4). Er will immer noch mit dem Tempelherrn zu Saladin gehen (III 9). – Der Tempelherr ist von Saladin zurechtgestaucht worden (IV 4, wegen IV 2); er hat eingesehen, dass er zu weit gegangen ist (V 3), sieht aber auch den Klosterbruder in Begleitung Nathans und befürchtet nun, der könnte Nathan über sein Vorpreschen beim Patriarchen informiert haben (V. 3278 ff.).
Zu Beginn des Gesprächs verständigen sich beide darüber, dass sie zum Sultan gehen sollen und wollen (V. 3334 ff.). Danach bestimmt der Tempelherr das Gespräch; er will herausfinden, was Nathan von seinem Gang zum Patriarchen weiß (V. 3343 ff. und V. 3454 ff.); dieser tritt ganz cool und souverän auf. Als er hört, dass ein Tempelherr Nathan wohl angeklagt habe, verteidigt bzw. rechtfertigt er sich (ab V. 3363) in einem großen Monolog, den Nathan kaum unterbricht (vgl. wiederholt: „Hört mich, Nathan!“, V. 3364, 3372, 3385 und später wieder 3419). Erst als Nathan sehr deutlich nach dem Guten des Plans, ihm „kurz und gut das Messer an die Kehle zu setzen“ (V.3394 f.) fragt, ringt der Tempelherr sich zu Schuldbekenntnis und Bitte um Verzeihung durch, um dann aber wieder auf sein Anliegen aus III 9 zu kommen, Nathan möge ihm Recha zur Frau geben. In seine Schlussbemerkung fließt das von Daja (III 10) vermittelte Wissen ein, dass Nathan nicht Rechas Vater ist.
An der Stelle übernimmt Nathan die Gesprächsführung und spielt sein überlegenes Wissen andeutungsweise aus (wähnen – wissen, V. 3432 f., V. 3452 f.); der Tempelherr kann Recha nicht mehr „retten“ (V. 3447 f.), es gebe einen Bruder Rechas (V. 3462). Er hält den Tempelherrn, der nun viele törichte Einwände und Fragen vorträgt, hin und setzt dessen Drang, zu Recha zu rennen, die Bitte zu bleiben und mitzukommen entgegen. Wer Recha und den Bruder sucht, soll mit Nathan gehen – dann werde er sie finden. Die im Gespräch mit dem Klosterbruder erworbene Freiheit (V. 3224 ff.) zeigt sich hier. Die beiden werden also gemeinsam zum Sultan gehen, wo Nathan die wahren Verhältnisse aller Beteiligten aufdecken wird.

Über vernünftige Plausibilität im „Nathan“ (Metaphorik der Plausibilität)
Wenn man überdenkt, mit welchen Kategorien Plausibilität von den maßgeblichen Figuren in „Nathan der Weise“ erzielt wird, fällt Folgendes auf:
1. In Fragen der wahren Religion gibt es keine vernünftige Plausibilität. Saladin fragt Nathan nach einer Entscheidung „aus Einsicht, Gründen, Wahl des Bessern“ (V. 1848). Diese Frage kann (und will) Nathan nicht beantworten, wie er in der Ringparabel begründet (V. 1963 ff.); sachlich ist diese Unmöglichkeit, aus Gründen zu entscheiden, darin begründet, dass die Religionen sich „auf Geschichte“ gründen (V. 1975), Geschichte jedoch als tradierte Erzählung „auf Treu und Glauben angenommen werden“ muss (V. 1977 f.). In der Bildebene, wenn man so sagen will, entsprechen den Religionen von den Menschen hergestellte Ringe, also Artefakte, Kunstprodukte menschlicher Geschicklichkeit.
Es liegt an den Menschen, die von ihnen geglaubte Wahrheit ihrer Religion in ihrem Handeln zu erweisen: in der Freiheit des Liebens, in Verträglichkeit und Sanftmut (V. 2040 ff.). Die Wahrheit der Religion ist nicht theoretisch, sondern praktisch plausibel im Tun, im Erweis einer geglaubten Verheißung allgemeiner Beliebtheit und Wertschätzung (V. 1915 ff.).
2. In einer zweiten Bildrede werden die Unterschiede zwischen den Religionen in den Bereich der Äußeren platziert: „Ich habe nie verlangt, dass allen Bäumen eine Rinde wachse.“ (V. 2687 f.) Der Baum, das ist der Mensch selbst; seine Religion gehört in den Bereich der Rinde. Vielleicht ist es nicht ohne Bedeutung, dass dieses Bild aus der Natur genommen; es wird allerdings durch das Bild vom Menschen und seinem Kleid ergänzt, wobei die Religion ähnlich wie im Baumbild auf das Außen verwiesen ist, auf die Kleidung (Mantel, Jamerlonk, Tulban, V. 2685 f.), die man zufällig so oder so trägt, nach den Konventionen des eigenen Landes.
3. Auch Nathan denkt im Baumbild (V. 1279 ff.), als er gegen des Tempelherrn Einwand behauptet, dass alle Länder „gute Menschen tragen“ (V. 1274) und dass die von jenem postulierten Unterschiede an Kleidung und Gestalt (vgl. Saladins Rede!) nicht der Rede wert sind, wie eben das Baumbild zeigt.
4. Das Ergebnis unserer Überlegungen ist, dass vernünftige Plausibilität im Baumbild, also im Bildbereich der Natur zu gewinnen ist; dass sie sich nicht auf die Frage nach der Wahrheit von Religionen erstreckt; dass deren Unterschiede in Bereichen des Un-Wesentlichen gesehen werden.

Über den Verlauf das Geschehens und den Sinn der letzten Szene (V 8)
Dass die Aufhellungen der letzten Szene (V 8) reichlich konstruiert wirken – Assad als Bruder, Vater und Freund: So viel kann nur ein Toter leisten! – ist offenkundig. Fragen wir also nach dem „Sinn“ solcher Aufhellungen.
Die von Daja gewussten Diskrepanzen (Nathan ist nicht der Vater, Recha „ist“ nicht Jüdin) sind durch Nathans Vorleistungen (IV 7) und Rechas Wahl (V 7 f.) beseitigt: Recha bejaht den Vater, der nicht ihr Vater ist, was auch des Tempelherrn Verständnis von Vaterschaft (V 3, gegen des Patriarchen Theorie, IV 2, und des Tempelherrn aus dem Begehren geborene Argumentation, III 10) entspricht.
Die Vorleistung Saladins, den Gefangenen nicht zu töten und im Feind den Bruder zu erkennen, wird durch „Verwandtschaft“ bestätigt.
Des Tempelherrn spontane gute Tat wird gleichermaßen bestätigt; seine un-vernünftige Leidenschaft (mit entsprechendem Antisemitismus) wird ihres Fundamentes beraubt.
Die religiösen Differenzen der drei Männer sind belanglos (vgl. III 7 und die Baum-Metaphern) und in einer größeren Bruderschaft teils realer Verwandtschaft, immer des tätigen Helfens überwunden.
Das alles „klappt“ deshalb, weil die drei Helden sich nur als Menschen begegnen; die realen Verteilungskämpfe um Geld und Einfluss sind ausgeblendet, Al-Hafi hat sich ebenfalls aufs reine Menschsein besonnen und ist in die Einsamkeit gegangen. Seine Analyse der Herrschaft und der Geldbeschaffung Saladins (I 3) bleibt folgenlos. Auch wie Nathan an sein Geld kommt, welches er recht freigebig verteilt, wird nicht analysiert, sondern nur bewundernd anerkannt (II 2). So ist der Schluss des Dramas eine Utopie: ein Land, zu dem keine begehbaren Wege führen.

Literatur zu Lessing: Nathan der Weise
Zunächst einige Handbücher zu Lessing allgemein:
Barner, Wilfried / Grimm, Gunter E. u.a.: Lessing. Epoche – Werk – Wirkung. 5. neubearbeitete Auflage 1987
Brenner, Peter J.: Gotthold Ephraim Lessing, 2000 (RUB)
Fick, Monika: Lessing Handbuch, 2000
Interpretationen. Lessings Dramen, 1994 (RUB)

http://www.teachsam.de/deutsch/d_literatur/d_aut/les/les_dram/les_nathan/les_nathan_centermap.htm

http://kw.uni-paderborn.de/fileadmin/kw/institute-einrichtungen/germanistik-und-vergleichende-literaturwissenschaft/germanistik/Personal/Hofmann/Dramenanalyse_Nathan.pdf

http://teachsam.de/doc_downloads/Figurengestaltung%20im%20dramatischen%20Text.doc (hilfreich!)

P.S. Hinter der Figur „Nathan“ steht der jüdische Freund Lessings, Moses Mendelssohn. Zu Mendelssohn:

http://de.wikipedia.org/wiki/Moses_Mendelssohn
http://www.anderes-berlin.de/html/moses_mendelssohn.html
http://de.wikisource.org/wiki/ADB:Mendelssohn,_Moses
http://www.spree-athen-ev.de/bibliothek/mosesmendelssohnderberlinersokrates.php
http://www.zeno.org/Philosophie/M/Mendelssohn,+Moses

http://de.wikisource.org/wiki/Ueber_die_Frage:_was_heißt_aufklären%3F
http://www.annette-boeckler.de/bibel/mendelssohn.html

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Hier findet ihr eine Analyse von zwei meiner Schülerinnen. Bitte hinterlasst einen freundliches Dankeschön dafür, dass sie ihr Video hier zur Verfügung stellen.

Die schriftliche Ausarbeitung ist hier:


Vielen Dank an Jasmin und Esmanur!

 „Nathan der Weise“
                            - Szenenanalyse 3.6 : Monolog Nathans

1. Auszug der Szene
2. Einleitung
3. Einordnung der Szene
     3.1 Was geschah davor?
     3.2 Was geschah danach?
4. Inhaltsangabe der Szene
5. Szenenanalyse und Interpretation.
6. Fazit
7. Bildergeschichte
(Alle Texte wurden gemeinsam und zusammen verfasst und bearbeitet.)

1. Auszug der Szene:

3.Aufzug, 6. Auftritt

1865                         Nathan: (allein) Hm! hm! – Wunderlich! – Wie ist
                                     Mir denn? – Was will der Sultan? Was? – Ich bin
                                     Auf Geld gefasst, und er will – Wahrheit. Wahrheit!
                                     Und will sie so, - so bar, so blank, - als ob
                                     Die Wahrheit Münze wäre! – Ja, wenn noch
1870Uralte Münze, die gewogen ward! –
                                     Das ginge noch! Allein so neue Münze,
                                     Die nur der Stempel macht, die man aufs Brett
                                     Nur zählen darf, das ist sie doch nun nicht!
                                     Wie Geld in Sack, so striche an in Kopf
 1875                           Auch Wahrheit ein? Wer ist denn hier der Jude?
                                     Ich oder er? – Doch wie? Sollt er auch wohl
                                     Die Wahrheit nicht in Wahrheit fordern? – Zwar,
                                     Zwar der Verdacht, dass er die Wahrheit nur
                                     Als Falle brauche, wär auch gar zu klein! -
1880Zu klein? – Was ist für einen Großen denn
                                     Zu klein? – Gewiss, gewiss: er stürzte mit
                                     Der Türe so ins Haus! Man pocht doch, hört
                                     Doch erst, wenn man als Freund sich naht. – Ich muss
                                     Behutsam gehen! – Und wie? wie das? – So ganz
1885Stockjude sein zu wollen, geht schon nicht. -
                                     Und ganz und gar nicht Jude, geht noch minder.
                                     Denn, wenn kein Jude dürft er mich nur fragen,
                                     Warum kein Muselmann? – Das war’s! Das kann
                                     Mich retten! – Nicht die Kinder bloß speist man
1890Mit Märchen ab. – Er kömmt. Er komme nur!


Gotthold Ephraim Lessing: Nathan der Weise Ein dramatisches Gedicht in fünf Aufzügen. Schöningh Schulbuch, 1998,S.74-75

2.Einleitung:

Das Drama „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing aus dem Jahre 1779 spielt in der Zeit des Dritten Kreuzzuges, während eines Waffenstillstandes in Jerusalem, welches vom Sultan Saladin regiert wird. Das Buch ist ein dramatisches Gedicht in fünf Aufzügen, in dem es um einen jüdischen Kaufmann namens Nathan geht. Das Drama ist nach den aristotelischen Regeln gebaut. Dazu gehört eine strenge Gliederungen in Akten und Szenen. Nathan wird wegen seines erzieherischen Charakters und seiner toleranten Weltanschauung im Volksmunde als der „Weise“ bezeichnet. Das Drama thematisiert Themen zwischen Religion und Vernunft und spielt somit in der Epoche der Aufklärung. Die Epoche der Aufklärung wurde mit dem rationalen Denken, der Religionskritik und mit humanistischem Erziehungsgedanken geprägt. In dieser Zeit begann man, die Bibel zu kritisieren und alles was unvernünftig schien, wurde nicht akzeptiert. Aus diesem Grund wurden die Wunder des Christi verleugnet. Auch Lessing veröffentlichte solche Berichte und setzte sich mit theologisch-kirchlichen Fragen auseinander. Jedoch vertrat er die Meinung, dass jeder das Recht auf freie Meinungsäußerung hatte. Nachdem Lessing die öffentliche und direkte Auseinandersetzung verboten wurde, behandelte er solche Themen und Probleme im Drama „Nathan der Weise“. Dort treffen drei Vertreter der drei großen Weltreligionen aufeinander, der muslimische Sultan Saladin, der jüdische Kaufmann Nathan und ein christlicher Tempelherr. Anstatt sich im Namen der Religionen zu bekriegen, wie es in dieser Zeit üblich war, tolerierten sie sich und schließen sogar eine stark bedeutsame Freundschaft.Diese Toleranz wird in der vorliegenden Szene deutlich, da der Monolog von Nathan nur entsteht, weil der muslimischer Sultan Saladin ihn zu sich einlädt.

Im Folgenden beschäftigen wir uns mit dem Monolog Nathans, indem wir diesen zuerst zusammenfassen und daraufhin analysieren und interpretieren. Da die Szene sich vor dem Höhepunkt des ganzen Stückes befindet und sich dem Ende naht, stellt man sich daher die Frage, ob dieser Monolog einen Einfluss bzw. eine Auswirkung auf die darauf folgenden Szenen, einschließlich dem Ende, hat. Nachdem wir unsere Szenenanalyse abgeschlossen haben, möchten wir auf diese Frage zurückgreifen.

3. Einordnung der Szene

Der Monolog Nathans befindet sich im 3. Aufzug und ist der 6. Auftritt. Diese Szene befindet sich vor dem Höhepunkt des Dramas, die Ringparabel, und somit naht sie sich dem Ende.

3.1 Was geschah davor?

Um jedoch zu wissen, wie dieser Monolog in Sultan Saladins Palast entstand, muss man Kenntnisse über die Vorgeschichte haben.
Sultan Saladin und seine Schwester Sittah sind sehr gute und leidenschaftliche Schachspieler.
Jedoch lief es bei dem Sultan in der letzten Zeit nicht so gut, weil er sehr viele Spiele verlor und somit in starke Schulden geriet. Von seinem Schatzmeister, dem El-Hafi, der gleicher Zeit mit Nathan befreundet ist, erfuhr Saladin, dass es einen jüdischen, toleranten und reichen „Weisen“ gibt, der dem Sultan Geld leihen könnte, mit dem Namen Nathan.

Verwunderlich war, dass der Sultan Saladin bisher noch nie etwas von dem, Nathan den Weisen‘ gehört hatte und lud ihn daher zu sich ein. Nathan nahm diese Einladung an und daraufhin sprach er mit seinem Freund, El-Hafi, über diese Einladung und erfuhr, dass der Sultan Saladin sich in starken Schulden befindet und somit von ihm Geld leihen möchte.
Kurz vor dem Eintreffen Nathans in Saladins Palast, unterhalten sich Sittah und Saladin darüber, wie Saladin vorgehen und sich gegenüber Nathan während des Gesprächs verhalten soll. Saladin hat zwar seine Zweifel, ob es das richtige war, Nathan einzuladen, doch Sittah beruhigte ihn und entfernte sich durch die Tür aus dem Audienzsaal, da Nathan diesen betrat. Die zwei Männer unterhielten sich, bis der Sultan Saladin dem ‚Weisen Mann‘ die Frage stellte, welche der drei Weltreligionen die richtige sei. Nathan ist über diese Frage sehr verwundert, da er darauf gefasst war von dem Sultan nach Geld gefragt zu werden. Sultan Saladin wusste, dass Nathan mit dieser Frage nicht gerechnet hat und ging ins Nebenzimmer, um Nathan eine kurze Bedenkzeit über seine Antwort zu geben. In diesem Moment beginnt der Monolog und Nathan wird klar, dass das Kernthema des Treffens die drei Weltreligionen, Judentum, Christentum und Islam, ist und nicht das Geld.

3.2 Was geschah danach?

Nach dem ganzen Monolog, indem Nathan sehr verwirrt war und am Ende auf eine gut durchdachte Lösung kam, erzählte er dem Sultan Saladin das Märchen von der Ringparabel. Diese lautet so:Vor vielen Jahren lebte ein Mann, der einen wertvollen Ring besaß. Dieser Ring hatte die Fähigkeit den Besitzer und somit den Träger des Ringes beliebt und angenehm bei dessen Mitmenschen zu machen. Der Ring wurde kurz vor dem Tod des Trägers immer an den gehorsamsten und liebevollsten Sohn weitervererbt. Bis zu dem Zeitpunkt, als der Besitzer des Ringes ein Vater mit drei Söhnen war. Er war sehr hin und her gerissen, da die Liebe zu all seinen Söhnen gleich stark war und ihm somit die Entscheidung sehr schwer fiel, wem er den Ring weiter vererben soll. Als dieser erkrankte Vater merkte, dass er dem Tod naht, besuchte er einen Künstler, in der heutigen Zeit wäre dies ein Juwelier, und gab ihm den Auftrag zwei weitere identische Ringe anzufertigen. Sein Gedanke dahinter war, dass jeder Sohn einen Ring bekam. Nachdem der Vater starb und alle drei Söhne einen Ring bekamen, so wie er es wollte, erfuhren dies die anderen Brüder und es kam zu einem großen Streit, wer der Herrscher der Familie und der angenehmste unter dem Volke ist. Jedoch konnte keiner der drei beweisen, dass sein Ring der echte ist. Daraufhin beschlossen sie einen Richter aufzusuchen, der darüber entscheiden soll. Dieser Richter traf seine Entscheidung und gab den Söhnen einen Ratschlag: Sie sollen ihrer Liebe von Vorurteilen frei nacheifern. Denn der Richter war der Meinung, dass keiner der Ringe der echte ist und der originale wahrscheinlich verschwunden sei. Somit waren alle drei gleichgestellt.

Nach dieser Geschichte, bezieht sich Nathan direkt mit dem Tertiumcomparationisauf die drei Weltreligionen, an Hand der Ringparabel. Somit kann man nicht nachweisen, welche der drei Weltreligionen die Wahre sei. Das Judentum, das Christentum und der Islam sind gleichgestellt und sollten daher alle gleich toleriert und respektiert werden. Das Ziel des Märchens ist zu verdeutlichen, dass wenn es die Möglichkeit gäbe, dass das Judentum die falsche Religion ist, ebenso die Möglichkeit besteht, dass der Islam und/oder das Christentum auch die falsche Religion sein kann. Im Laufe des Gespräches, ist Sultan Saladin von Nathan so überzeugt und fasziniert, dass er eine Freundschaft mit Nathan eingehen will. Nathan willigt ein und anschließend bietet er aus freiem und eigenem Willen Sultan Geld an.

4. Inhaltsangabe der Szene:

Nathan führt im Audienzsaal in Saladins Palast während seiner Bedenkzeit, die er vom Sultan bekam, ein Selbstgespräch. Dieser zeigt seine Verwunderung über die Frage des Sultan Saladins, welche der drei Weltreligionen, Judentum, Christentum und Islam, die richtige sei. Seine schwierige Situation bzw. Lage wird anhand der vielen und misstrauischen Fragen, die er sich selber stellt, verdeutlicht. Er wundert sich, warum er diese Frage von einem Moslem gestellt bekommt, obwohl er ein Jude ist. Denn jeder könnte von seiner eigenen Religion behaupten, sie sei die Wahre und Richtige. Daher denkt Nathan, die unerwartete Situation in der er sich befindet, sei eine Falle für ihn, da er dachte bei dem Zusammentreffen mit dem Sultan ginge es um Geld und nicht um die wahre Religion. Während seines Monologs vergleicht Nathan kurz die Wahrheit mit einer Münze. Auf die Münzen greifen wir später genauer ein. Der jüdische Kaufmann bemüht sich auf eine ordentliche Antwort zur Frage von Saladin, da er das Verlangen hat, sich selber aus dieser Falle zu retten und zu befreien. Schließlich findet er die Lösung und die Antwort zu seinem Problem: Er möchte die Frage anhand eines Märchens beantworten.

 5. Szenenanalyse und Interpretation:

Nun kommen wir zu dem Monolog von Nathan im 3. Aufzug dem 6. Auftritt, den wir im Folgenden analysieren und interpretieren werden. Die Struktur des Monologs haben wir zum besseren Verständnis in vier Sinnesabschnitte unterteilt, denen wir jeweils einen Titel zugeordnet haben. Der erste Sinnesabschnitt, den wir ,,Verwunderung" genannt haben, geht von Vers 1865 bis 1867. Der zweite Sinnesabschnitt, mit dem Titel ,,Der Vergleich zwischen der Wahrheit und der Münze ", verläuft von V. 1868 bis 1875. Daraufhin befindet sich von Vers 1875 bis hin zum Vers 1888 der dritte Sinnesabschnitt, den wir ,,Misstrauen" genannt haben. Der letzte Sinnesabschnitt ist die „Lösung“ auf die unerwartete Frage Saladins, die von Vers 1888 bis 1890 geht. Der Sprechstil, den Nathan verwendet ist gehoben, da er, wie schon am Anfang erwähnt, ein reicher Kaufmann ist und somit weiß, wie er mit Personen zu reden hat. Hinzu kommt, dass er sehr emotional und aufgebracht spricht, wie in V. 1875 und V. 1887 zu sehen ist. Auffällig ist auch, dass Lessing im Monolog viele Enjambements, Gedankenstriche und Ausrufe verwendet. Durch die Ausrufe, die er sogar direkt am Anfang des Monologs verwendet, wirkt Nathan sehr herrisch und somit werden die Aussagen die er von sich gibt stark betont. Außerdem verläuft die Handlung so, dass er sich viele Fragen stellt, da er sehr verwirrt ist und dies wird anhand der Gedankenstriche deutlich. Jedoch werden Sie dazu später mehr erfahren.

Im ersten Sinnesabschnitt stellt Nathan sich anfangs die Frage: ,,Was will der Sultan? Was?" (V. 1866), weil Saladin ihn nach der richtigen Religion gefragt hat, obwohl Nathan doch darauf gefasst war, vom Sultan nach Geld gefragt zu werden(V. 1867).
Nachdem er sich in diesem Abschnitt diese rhetorische Frage stellt, wird im Anschluss direkt deutlich, dass er sie selber beantwortet, denn "[der Sultan] will – Wahrheit.“(V.1867)
Jedoch ist das untypisch für rhetorische Fragen, weil man diese Fragen normalerweise nicht beantwortet, da die Antwort bekannt ist. Durch die Anapher ,,Wahrheit" (V.1867) verstärkt sich die Wirkung der Verwunderung Nathans, da man sich das Gesagte besonders gut merkt.
Außerdem erkennt man im Laufe des Monologs, wie wichtig die Wahrheit für Nathan ist, da sie mehrfach wiederholt wird.

Im zweiten Abschnitt vergleicht Nathan die Wahrheit mit einer blanken Münze (V.1868), denn sie soll direkt und glänzend, in dem Falle richtig, sein. Indem er die Wahrheit mit der Münze gleichstellt, drückt Nathan seine Definition von Wahrheit aus. Nathan findet, dass es keine fest definierte und absolute Form von Wahrheit gibt, genauso wie bei uralten Münzen(V.1868ff). Früher konnte man uralte Münzen nicht fest definieren und schon gar nicht festlegen (V.1872ff), ob die Münze original, wahr, oder gefälscht, falsch, ist, ebenso, wie mit dem Wahrheitsgehalt der Religionen. Die Wahrheit hat seiner Meinung nach keinen festen ,,Stempel" (V. 1873), wie die neuen Münzen, bzw. das heutige neue Geld. Die Wahrheit ist eher ein abwägender Prozess. Trotz allem, stellt man sich als Leser die Frage, weshalb er genau Münzen wählt und keinen anderen Vergleich, bis man feststellt, dass er Kaufmann gewesen ist und sich somit sehr gut mit dem Wert und Herstellungsprozess der Münzen auskennt.

Aus diesem Grund stellt er im zweiten Sinnenabschnitt die ganze Münze als Metapher dar, damit man sich die Lage bildlich und somit besser vorstellen kann.Durch eine weitere Metapher ,,[…], - so bar, so blank, - als ob / Die Wahrheit Münze wäre!" im Versabschnitt 1868, wird die Münze noch etwas näher beschreiben. Der erste Teil des gerade Zitierten, zeigt uns eine Anapher bei den Worten ,,so", um die Bedeutung genauer zu kennzeichnen. Außerdem erkennt man auch die Problematik in Nathans Situation, nämlich dass Sultan die Wahrheit  sofort und direkt auf die Hand gelegt haben möchte. Doch, wie bei einer Münze, kann dies nicht direkt erfolgen.

Der Abschnitt ,,Misstrauen" beginnt sofort mit der rhetorischen Frage, ,,Wer ist denn hier der Jude? Ich oder er?" (V.1875f). Diese Frage verdeutlicht nochmal, wie verwundert Nathan doch ist, als Jude gefragt zu werden, die Wahrheit der Religionen zu bewerten und zu bestimmen. Mit dieser Frage stellt er sich eine Rangstufe unter dem Sultan Saladin und somit dem Islam und geht mit seiner Weisheit bescheiden um.Denn er war nicht auf solch eine Frage, sondern mit einer Anforderung von Geld gefasst(V.1867). Er wittert eine Falle in Saladins Frage und will deshalb sorgfältig an die Sache herangehen (V.1878f), um sich nicht in Schwierigkeiten zu bringen. In Vers 1877 wiederholt er die Anapher ,,Wahrheit", das zeigt dem Leser, wie wichtig Nathan die Aufklärung auf neutraler Ebene mit der Wahrheit ist.

Die Wiederholung der Worte ,,Zu klein" in Vers 1880f. verdeutlicht dem Leser, dass egal, wie Nathan antworten wird, Saladin fähig wäre, diese Antwort auf Grund seiner Machtposition gegen ihn zu verwenden. Denn Nathan ahnt, wie schon erwähnt, dass Saladin ihn in eine Falle locken will. In diesem Moment stellt er sich erneut unter Saladin, mit der Aussage: „Was ist für einen Großen denn / Zu klein?“(V.1881f.). Hier wird verdeutlicht, dass Nathan Saladin als den „Großen“ (V.1880) und in dem Falle als den Mächtigen ansieht. Denn Juden wurden in der damaligen Gesellschaft als niedrig angesehen, was heute an manchen Orten der Welt leider immer noch der Fall ist. Durch die Hyperbel, einer starken Übertreibung, ,,Und ganz und gar nicht Jude, geht noch minder." (V. 1886), steigert Nathan seine Gefühlsintensivität. Diese wird noch einmal durch die Ellipse ,, [...] wenn kein Jude, dann dürft er [mich] nur fragen, [...]" (V.1887) betont und somit wird der Inhalt bzw. die Rangunterstufung Nathans verstärkt. Damit versucht Nathan sich darüber zu äußern, dass Juden damals verachtenswert angesehen wurden und meint, dass Saladin ihn nur fragen dürfte, wenn er kein Jude wäre. Außerdem stellt dies auch eine starke Verletzung der Gefühle Nathans dar, da dem Leser bewusst ist, welch einen Wert er auf Toleranz und Gleichsetzung aller auf menschlicher Ebene, legt. In dieser Situation wird seine Vorstellung von Menschlichkeit und Gleichsetzung an seinem eigenen Leib mit Füßen getreten. Die Verachtung gegenüber Juden stärkt er, indem er sagt, dass es nichts anderes oder irgendjemanden gibt, der „minder“ (V.1886) bzw. schlimmer als ein Jude stehen kann.

„Die Lösung“ auf die Frage des Sultans, wird im Monolog und somit im letzten Sinnesabschnitt zwar angeregt, jedoch noch nicht näher erläutert, da die Lösung die darauffolgende Szene ist. Nathan will ihm die Antwort in Form eines Märchens erzählen, welches dann auch die Ringparabel bildet.
Dies äußert er anhand der Aussage, ,,Nicht die Kinder bloß speist man / Mit Märchen ab"(V.1889). Gleichzeitig verwendet er hier geschickt  eine Inversion, um das kleine, jedoch entscheidende Wort ,,nicht" zu betonen. Denn in diesem Falle möchte Nathan Saladin mit einem Märchen überzeugen.

Schließlich lässt sich sagen, dass die sprachlichen Mittel die Intentionen Nathans in seiner schwierigen Situation besser  verdeutlichen und seine Gefühlslage verstärken.
 Nathans Absicht war es den Sultan mit Vernunft aufzuklären, ohne ihn zu verärgern. Seine Strategie, mit der er so voran geht, dass er die Lösung, beziehungsweise die Aufklärung anhand eines Märchens heranführt.
Man kann sagen, dass dieser Monolog als Entscheidungsmonolog gelten kann, da Nathan sich für eine Antwort entscheiden muss, mit der er sich seine Zukunft sichert. Eine falsche bzw. eine Antwort, die dem Sultan nicht gerecht kommt, könnte dementsprechend Konsequenzen für Nathan mit sich bringen.

6. Fazit:

Deshalb lässt sich zusammenfassend sagen, dass der Monolog Nathans eine starke Beeinflussung auf das gesamte Drama hatte, da er mit diesem Entscheidungsmonolog genau überlegen muss, wie er die Glaubensfrage beantwortet, weil er den Saladin nicht reizen möchte. Nathan hat sich die Zukunft unabsichtlich gesichert und beeinflusst, jedoch wird dies erst in der Schlussszene des Dramas deutlich. Nathans gut überlegte Antwort sicherte ihn, wie schon vorher gesagt, sein Leben. Der Mächtige Sultan Saladin hätte ihn nämlich auf Grund einer falschen Antwort töten können. Außerdem bietet ihm sein sicherer Umgang mit der Sprache ein Stück weit Sicherheit, da er sich sonst mit seiner Problematik auf Glatteis bewegen würde. Die Weisheit Nathans wurde im Monolog erneut deutlich, da er wusste, er durfte diese Frage nicht mit seinen Gefühlen hinsichtlich seiner Religion beantworten. Nachdem ihm das Märchen einfiel, entstand der Höhepunkt des Dramas und zwar der Dialog zwischen Nathan und Saladin, welches um die Ringparabel handelt.
Märchen sind frei erfunden und Prosatexte, die von Begebenheiten erzählen. Charakteristisch für Märchen ist unter anderem, das Erscheinen phantasievoller Elemente (hier: Ringe). Außerdem gehörten Märchen früher zu den meist verbreiteten Erzählgattungen, womit man  Kinder beeindrucken und ihre Fantasie anregen konnte. Genau dies ist Nathans Ziel, denn er will Saladin mit seiner Antwort beeindrucken und ließ sich deshalb ein Märchen einfallen, mit dem der Sultan sich seine Frage selbst beantworten konnte. Saladin war so begeistert, dass sie anschließend Freundschaft schlossen.

Diese Freundschaft greift das Thema des Dramas auf, denn das Judentum und der Islam schließen hier Freundschaft. Die Freundschaft der beiden basiert auf die tolerante Aufklärung.

7. Bildergeschichte:

Zum besseren Verständnis haben wir beide eine chronologische Bildergeschichte vorbereitet.
Hier bei soll es möglich sein, sich die Geschehnisse bildlich vorzustellen.

1. Nathan während des Monologs:


2. Nathan fällt das Märchen ein:3. Beispiel für die Ringe:

      4. Ziel der Ringparabel:5. Die Freundschaft nach dem Monolog:


          links: Sultan Saladin     rechts: Nathan

6. Ziel des Dramas:

 

Abb.1:http://www.mehrtheater.de/userfiles/image/Andreas_Weissert_Nathan_WBT.jpg
Abb2.:http://www.google.de/imgres?imgurl=http%3A%2F%2Fwww.theaterinkempten.de%2F01_Spielplan%2FBilder_2013_14a%2FNathanDerWeise04.jpg&imgrefurl=http%3A%2F%2Fwww.theaterinkempten.de%2F01_Spielplan%2FStuecke_2013_14%2FNathan_der_Weise.php&h=640&w=500&tbnid=XU_k88IwquHQbM%3A&zoom=1&docid=-AI0jynV1Isw0M&hl=de&ei=mA1hVdCvDYG2UZPggPgL&tbm=isch&iact=rc&uact=3&dur=1782&page=3&start=53&ndsp=30&ved=0CPUBEK0DMD4
Abb.3:http://www.wemont.at/images/product_images/original_images/de009c.jpg
Abb.4: http://www.pi-news.net/wp/uploads/2014/08/glaube_toleranz.jpg
Abb.5: http://www.google.de/imgres?imgurl=http%3A%2F%2Fupload.wikimedia.org%2Fwikipedia%2Fcommons%2Fthumb%2Fd%2Fdb%2FFotothek_df_pk_0000018_024_Paul_Wegener_in_der_Titelrolle%2C_Agathe_Poschmann_als_Recha%2C_Kai_M%2525C3%2525B6ller_als_Sulta.jpg%2F220px-Fotothek_df_pk_0000018_024_Paul_Wegener_in_der_Titelrolle%2C_Agathe_Poschmann_als_Recha%2C_Kai_M%2525C3%2525B6ller_als_Sulta.jpg&imgrefurl=http%3A%2F%2Fde.wikipedia.org%2Fwiki%2FNathan_der_Weise&h=333&w=220&tbnid=xyZY6kOEJAX5TM%3A&zoom=1&docid=ibBLCfhkcsxJEM&hl=de&ei=mA1hVdCvDYG2UZPggPgL&tbm=isch&iact=rc&uact=3&dur=1518&page=2&start=25&ndsp=28&ved=0CM4BEK0DMDE
Abb.6:http://www.pi-news.net/wp/uploads/2014/08/glaube_toleranz.jpg

(Alle Quellen zuletzt geprüft am: 24.05.2015 um 17:44 Uhr)

Protokollführung

Im Folgenden werden wir, Jasmin und Esma, erklären wie wir mit unser Klausurersatzleistung, im Deutsch Leistungskurs, vorangekommen sind. Unsere Klausurersatzleistung beinhaltet eine Szenenanalyse und ihre Interpretation. Dazu gehören Einordnung der Szene und auch ihr Aufbau bzw. die Stilmittel, die diese Szene ausmachen.
Dies alles entschlossen wir anhand eines Videos zu präsentieren, in dem wir eine Power Point Präsentation erstellt und unserer Stimme aufgenommen haben.

Wir haben uns zu aller erst mit der Szene auseinander gesetzt, d.h. wir haben versucht diese zu verstehen. Daraufhin haben wir uns einen Plan erstellt, wie wir voran gehen werden. Schließlich kamen wir auf die Idee, dass jeder für sich zu Hause Notizen für die Einordnung, Zusammenfassung, Analyse und Interpretation macht. In den darauf folgenden Tagen, in denen wir uns oft getroffen haben, haben wir uns gegenseitig unsere Notizen vorgestellt und anschließend zusammengefügt bzw. ergänzt. Somit haben wir beide Einfluss auf jeden Text der Klausurersatzleistung, da wir unsere Ergebnisse und Ideen zusammengetan haben, um ein besseres Endergebnis zu erstellen. Es gab einige Auseinandersetzungen bei der Interpretation, da jeder alles anders interpretieren kann. Jedoch endeten diese Diskussionen mit Kompromissen und Eingeständnissen. Nachdem wir mit allem fertig waren, trafen wir uns, um unser gemeinsames Fazit zu verfassen. Dies war überraschenderweise sehr einstimmig, da wir dieselbe Meinung vertraten.
Nachdem wir unsere Power Point Präsentation beendeten, nahmen wir unsere Stimmen auf und fügten diese zusammen. Somit waren wir froh, unsere Klausurersatzleistung beendet zu haben.
Wir hoffen natürlich, dass es Ihnen, Frau K., und auch Ihren YouTube Fans/Abonnenten gefällt.  

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